Der Mensch im Zentrum

Der Mensch im Zentrum
25.05.2018

Optrel produziert im Toggenburg Schutzeinrichtungen für Schweisser auf der ganzen Welt. Wie viel Hightech in diesem Nischenprodukt steckt, wie Ideen für neue Produkte entstehen und wie Optrel mit einer neuen Sonderedition Gutes tut, erzählt CEO Marco Koch.

Herr Koch, Sie haben Optrel vor knapp acht Jahren zusammen mit Ihrem Bruder übernommen. Warum haben Sie gerade diese Firma gekauft?

Der französische Mutterkonzern wollte sich von Optrel trennen – die Schliessung drohte. Im Vordergrund für uns stand, die 45 Arbeitsplätze im Toggenburg zu erhalten. Zudem wollten wir beweisen, dass der Produktionsstandort Schweiz Zukunft hat. Nicht zuletzt sind wir auch emotional mit dem Unternehmen verbunden: Mein Vater gehörte 1986 zu den Gründern der Firma. So konnten wir das Geschäft wieder zurückholen und dem Brand neuen Glanz verleihen.

Was können Ihre Helme?

Unsere Helme schützen die Schweisser nicht nur, sie steigern auch den Komfort und erleichtern ihnen die Arbeit – machen sie also effizienter. Die Basis ist der automatische Blendschutz: Dank des Flüssigkristalldisplays dunkelt die Scheibe automatisch ab, sobald der Schweisslichtbogen zündet. Vor und nach dem Schweissen kann der Schweisser so auch die Umgebung erkennen. Diese Technologie wird heute von zahlreichen Firmen angeboten. Was andere aber nicht können: Je nach Schweissprozess ist die Intensität des Lichtbogens unterschiedlich. Dank intelligenter Sensorik erkennen unsere Helme automatisch, wie stark sie abdunkeln müssen – stufenlos. Zudem haben wir das Sichtfeld um den Faktor sechs vergrössert, ohne dass der Helm dadurch schwerer und unbequem zu tragen wird.

Seit einigen Jahren bieten Sie Helme mit Luftfilter. Wie sind Sie darauf gekommen, diese Funktion zu integrieren?

Die Luftfilterung ist seit einigen Jahren unser strategisches Thema. Denn Schweissrauch ist extrem gesundheitsschädlich – ein Schweisshelm ohne Partikelfilterung schützt überhaupt nicht davor.

Sie exportieren Ihre Helme in rund 50 Länder, 95 % des Umsatzes generieren Sie im Ausland. Wie steht es dort um die Arbeitssicherheit? Gibt es grosse Unterschiede?

Die Unterschiede sind enorm. In der westlichen Welt ist die Arbeitssicherheit gut verankert – vor allem in grossen Unternehmen. Kleinere Firmen nehmen das Thema leider oft nicht allzu ernst. Ohne Vorschriften läuft nichts. Im mittleren Osten und in Asien ist die Arbeitssicherheit kaum ein Thema. Dort verkaufen wir unsere Produkte mit den Argumenten der Effizienz.

Zum Beispiel?

Gerade kürzlich konnte ein Produktmanager in den Vereinigten Arabischen Emirate einen Kunden von unserem Helm mit Luftfilter überzeugen. In der 45°C heissen Werkhalle mussten die Schweisser mit Helm und Schutzanzug alle paar Minuten Pause machen und sich in einem anderen Raum abkühlen. Mit unserem Helm, der über eine Luftreinigung mit Luftkühlung verfügt, konnten die Arbeiter ohne Probleme eine halbe Stunde durchschweissen.

Wie geht es mit Optrel weiter?

Wir haben viele tolle Ideen und können kaum darauf warten, sie in die Realität umzusetzen. Wir müssen aber gleichzeitig fokussiert bleiben. 25 % unserer 60 Mitarbeitenden sind in der Entwicklung tätig – eine sehr hohe Quote. Als wir die Firma übernahmen, war die Technologie 25 Jahre alt. Es herrschte die Meinung, dass kaum mehr Innovationen möglich seien. Aber das Gegenteil ist der Fall. Unsere Pipeline ist gefüllt.

Können Sie dazu etwas Konkretes verraten?

Nur so viel: Wir wollen unsere Helme mit dem Internet der Dinge verbinden, so dass sie beispielsweise mit der Schweissmaschine oder mit anderen Applikationen kommunizieren.

Ihr Rezept?

Wir orientieren uns an den Bedürfnissen des Marktes, suchen ständig nach neuen Technologien und arbeiten mit externen Technologie- und Entwicklungspartnern wie QUO zusammen, um Betriebsblindheit zu überwinden.

Worum geht es im Projekt mit QUO?

Wir entwickeln mit QUO zusammen eine neue Generation von Atemschutzgeräten. QUO hat auch das Design für eine Sonderedition eines unserer Helme entwickelt, der seit Kurzem im Rahmen einer Wohltätigkeitsaktion auf dem Markt ist. Der Erlös aus dem Verkauf geht an die Organisation „Licht für die Welt“, die Menschen in Entwicklungsländern ermöglicht, den Grauen Star zu operieren. Eine Operation kostet 30 Euro. Unser Ziel ist, 3000 Menschen so das Augenlicht wieder zurückzugeben. Damit wollen wir auch Vorbild sein für andere und aufzeigen, dass es gar nicht so viel braucht, um etwas zu verändern.

Weitere Informationen

www.optrel.com


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