Auf was kommt es wirklich an?

Ich hatte heute beim Mittagessen in einer fremdem Kantine ein sehr interessantes

Ich konnte es leider nicht vermeiden, meinen beiden Tischnachbarn zuzuhören. Jetzt muss ich zur eigenen Schande noch sagen, der Mann und die Frau hatten mich liebenswerter Weise bei ihnen am Tisch sitzen lassen, weil es da noch etwas Schatten gab. Nun erst teilen sie mit mir den Tisch und jetzt schreibe ich schon über sie. Aber sie werden für immer anonym bleiben. Danke für den Schattenplatz!

Wie gesagt: ohne dass ich es wollte, konnte/musste ich ihrer Konversation zuhören. Es ging um die Kinder und dass das eine jetzt seine Matura (für Nicht-Schweizer: das Abitur) gemacht hat. Der Herr fragte die Dame: „Dein Kind hat ihre Schule abgeschlossen?“ und das war das Stichwort. Die Mutter erzählte voller Stolz (und sie kann auf ihre Kinder bestimmt sehr stolz sein), welche Abschlüsse ihre Kinder gemacht haben, an welchen Elite-Universitäten sie studiert haben und wie unheimlich gut sie sind, obwohl sie, wie sie auch meinte, etwas faul seien. Nun, ich hatte die ganze Zeit nur einen Gedanken: „Sind es auch gute, interessante Menschen?“ Warum wird immer noch der Wert eines Menschen an seinem Abschluss gemessen? Eines meiner Kinder ist leicht geistig behindert. Ich kann nie mit Stolz von seinem Super-Abschluss reden oder seine Titel aufzählen, aber ich kann sagen, dass er das Bestmögliche aus sich herausholt. Er hat eine unheimlich hohe emotionale Intelligenz und er ist ein total interessanter Mensch, der Menschen liebt.

Nicht das Sie mich hier falsch verstehen, ein Super-Abschluss und ein toller Mensch müssen keine Gegensätze sein. Aber nur den Blick auf die kognitiven Fähigkeiten zu setzen geht mir nicht weit genug bei der Beurteilung von Leistungen und Bewertung von Menschen. Zum Beispiel bei der Einstellung im Unternehmen. Dieses „belauschte“ Gespräch hat mich wieder an die vielen Erlebnisse erinnert, wo Menschen rein aufgrund ihrer Abschlüsse und Titel bewertet und sogar deswegen befördert wurden.

Wenn ich Bewerber/Bewerberinnen kennenlerne, interessiert mich nur das, was am schwierigsten zu erlernen ist: Emotionale Intelligenz, ihre Werte, ihre Sichtweise auf Menschen und ob sie mich neugierig machen. Alles andere kann man ihnen beibringen (vor allem, wenn sie schon einen Abschluss haben und somit ihre kognitive Intelligenz bewiesen haben)!

Also; worauf kommt es bei Ihnen im Unternehmen an? Wen stellen Sie ein? Ich habe mich schon seit langem entschieden: Ich stelle nur Menschen ein, die den Namen Mensch verdienen und bereit sind, sich mit ihrem Wissen und ihrer Ausbildung menschlich und fachlich weiterzuentwickeln. Und wenn sie oder er noch einen Super-Abschluss hat, umso besser!

Natürlich kann ich die Mutter sehr gut verstehen, Ich habe auch Kinder und ich bin auch stolz auf ihre beruflichen und schulischen Leistungen und Abschlüsse, aber ich frage mich trotzdem immer wieder: „Welche Menschen habe ich durch meine Erziehung und mein Vorleben aus ihnen gemacht?“ Denn am Ende kommt es für mich nur auf den Menschen an!

Ihr Andreas Halbleib

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