«EINE KLARE PRODUKTVISION IST ZENTRAL»

Vor zwei Jahren gründete Ata Tuna Ciftlik zusammen mit Diego Gabriel Dupouy und Déborah Heintze das Unternehmen Lunaphore. Inzwischen hat das Spin-off der ETH Lausanne zahlreiche Preise gewonnen, die erste Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen und zählt zu den erfolgversprechendsten Start-up’s der Schweiz. Welche Herausforderungen es dabei zu meistern galt oder warum ein Prototyp und eine klare Produktvision entscheidend sind, erläutert Gründer und CEO Ata Tuna Ciftlik.

Herr Ciftlik, welches waren die grössten Herausforderungen in der Anfangsphase?

Die erste Herausforderung war, Mitgründer zu finden. Es war ein Glück, dass ich Diego und Déborah von meiner noch sehr vagen Idee überzeugen konnte. Wir sind zwar sehr verschiedene Persönlichkeiten, aber wir teilen ein gemeinsames Ziel. Die zweite grosse Herausforderung ist die Finanzierung. Es braucht sehr viel Arbeit, um die Firma und die Geschäftsidee richtig aufzustellen, Glaubwürdigkeit aufzubauen und Aufmerksamkeit zu schaffen. Zu Beginn haben wir finanzielle Unterstützung von der KTI erhalten und verschiedene Preise gewonnen, wie den Innogrant der ETH Lausanne, Venturekick und weitere kleinere Auszeichnungen.

Sie und ihr Team sind Wissenschaftler. Woher holen Sie sich das Wissen, wie man eine Firma aufbaut?

Wir mussten viel lernen. Ich habe schon vor der Gründung an der ETH Lausanne einen Kurs zu Entrepreneurship besucht. Aber schlussendlich ist es «Learning by doing». Natürlich haben wir uns auch Unterstützung geholt. Am meisten hat uns die Begleitung durch professionelle KTI-Coaches gebracht. Sie haben uns ein Netzwerk eröffnet und uns geholfen unsere Ansätze zu präzisieren. Die Coaches stehen uns noch immer zur Seite. Zudem haben wir ein Advisory Board aus sechs Personen, die verschiedene Bereiche abdecken. Man hat nie ausgelernt!

Sie haben angesprochen, dass die Finanzierung eine grosse Herausforderung ist. Was ist entscheidend bei der Suche nach Investoren?

Natürlich müssen die Technologie und der Businessplan überzeugen. Aber ein Investor muss auch zum Unternehmen passen. Von der Ausrichtung über die Investitionshöhe bis zur persönlichen Ebene muss alles stimmen. Investoren zu finden besteht zu einem bedeutenden Teil daraus, Beziehungen und eine Vertrauensbasis aufzubauen. Denn schliesslich lassen sie sich auf eine Zukunftsprojektion ein und müssen zu einem gewissen Teil auf unsere Einschätzungen vertrauen.
Wenn man 50 Investoren anfragt, haben vielleicht zehn Interesse und schlussendlich investieren fünf. Es braucht also viel Zeit, um zu reisen, die Firma zu präsentieren und zu networken.

Ist es in der zweiten Finanzierungsrund einfacher, Investoren zu finden, als in der ersten?

Ja und nein. Wenn man schon eine Finanzierungrunde abgeschlossen und schon viel ins Networking investiert hat, geniesst man in Start-up-Kreisen schon eine gewisse Bekanntheit und Glaubwürdigkeit. Auf der anderen Seite müssen wir einen Leistungsausweis erbringen, was wir mit den ersten zwei Millionen erreicht haben. Wir «verkaufen» nicht mehr ein Versprechen, sondern etwas zwischen Versprechen und Realität.

Sie konnten bereits knapp zwei Jahre nach der Gründung ein erstes Produkt vorweisen. Wie wichtig war dieser Schritt für Sie?

Einen funktionierenden Prototyp zu entwickeln, war für uns sehr wichtig, auch für die zweite Finanzierungsrunde. Denn es zeigt unsere Umsetzungskompetenz und dass wir halten, was wir versprechen.
Wir stellen die Prototypen verschiedenen Labors zur Verfügung und holen die Feedbacks der Endnutzer. So wissen wir, wie das Gerät ankommt, ob es die technischen Vorgaben erfüllt, nutzerfreundlich ist und welche Erwartungen die Endnutzer an das Gerät haben, an die wir vielleicht gar nicht gedacht haben. Und schliesslich betreiben wir damit auch eine Art Marketing.

Sie zählen zu den Top 10 Start-up’s in der Schweiz und haben 2 Mio. Fr. Venture Capital akquiriert. Die Erwartungen an Lunaphore sind hoch. Wie gehen Sie damit um?

Am Anfang spürte ich diesen Druck. Der Schlüssel aber ist es, auf meine Mitgründer und Mitarbeitenden zu vertrauen und ihnen Verantwortung abtreten zu können. So kann ich mich voll auf meine Aufgaben konzentrieren. Dies setzt jedoch eine sorgfältige Auswahl von Mitarbeitenden voraus, muss ich mich doch später auf deren Entscheidungen und Fähigkeiten voll verlassen können. Wir definieren lediglich die Ziele und Meilensteine, mehr nicht. Wir haben so oft die Erfahrung gemacht, dass noch bessere Lösungen entstehen, als wenn wir genaue Vorgaben zum Vorgehen definieren. Ganz nach dem Sprichwort «in order to achieve great things, surround yourself with great people».

Sie haben bei der Produktentwicklung mit QUO zusammengearbeitet. Warum?

Als kleines Unternehmen können wir nicht die ganze Bandbreite des benötigten Know-hows intern aufbauen. Warum QUO? Wir haben auch grössere Innovationsdienstleister evaluiert, doch wir befürchteten, dass wir zu klein sind und unser Projekt nicht prioritär behandelt würde. Zudem arbeiten externe Produktentwickler häufig so, dass sie auf der Basis einer Spezifikation das Projekt mehr oder weniger allein bearbeiten. Doch wir wollten gewisse Teile der Entwicklung selbst machen und nur wo nötig Unterstützung abholen. Diese Form der Zusammenarbeit war mit QUO möglich. Wir haben das Projekt also nicht komplett an QUO ausgelagert, sondern die Ingenieure und Industriedesigner von QUO haben quasi in unserem Team gearbeitet.

Wie haben Sie von dieser Zusammenarbeit profitiert?

Wir konnten die Kapazitäten und das benötigte Know-how von Tag zu Tag festlegen. Diese Flexibilität und die hohe Geschwindigkeit waren für uns wichtig. QUO hat zudem grosse Expertise sowie neue Ansätze und Lösungen eingebracht, auf die wir selbst nicht gekommen wären.

Sie arbeiten bereits an der nächsten Produktgeneration. Wie wichtig ist für Sie, dabei eine konkrete Vision zu haben?

Eine Vision zu haben, ist für mich und das ganze Team zentral. In einem Start-up spricht man immer über die Zukunft. Wenn man keine solide Produktvision hat, denkt jeder etwas anderes, obwohl man glaubt das gleiche Ziel zu verfolgen. Bei der Entwicklung der Produktvision mit QUO haben wir mehrere Iterationen gemacht und jeweils das Feedback aller Involvierten eingeholt. Nun haben wir eine Vision, die für alle stimmt, wir arbeiten zusammen.

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